Erste Begegnung mit Hatha-Yoga — #lebensretter

Hatha Yoga ist eine sehr ruhige und einfache Art, in die Yoga-Welt einzusteigen. Ich lege also die DVD – die seit Monaten in meinem Kastl liegt – in den Player ein und gehe erstmal die Grundübungen der nächsten Stunde durch. Während des Programmes passiert in mir so viel und ich begreife, dass ich mein Leben umkrempeln muss, wenn ich es noch länger genießen will.

Struggling on the floor

Das Programm beginnt mit einem 3-minütigen Schneidersitz. Ich soll entspannt und aufrecht sitzen. Und da fängt das ganze Spektakel auch schon an. Liebe Hanna, du kannst nicht einmal 3 Minuten gerade sitzen, ohne einen Krampf zu bekommen und dich vor schmerzen zu winden. Zugegeben, einer meiner Wirbel erlitt vor Jahren einen Bruch, dessen Deckplatte das nicht heil überstanden hat. Und trotzdem: Ich bin 25, nicht 80. Es macht mich so wütend, dass ich am liebsten „entspannt“ in mich zusammen sacken möchte. Nein, du bleibst jetzt hart. Und ich stehe diese verdammten drei Minuten durch.

Es fühlt sich nicht herausragend an euch zu erzählen, dass 3 Minuten aufrechtes Sitzen verdammt schwer für mich sind. Aber ich tu es trotzdem, weil es irgendwo da draussen einen Menschen gibt, dem es vermutlich ähnlich geht. Der sich nicht traut, darüber zu sprechen, weil er nicht genug Kraft dafür hat. Und weil es schwarze Zungen gibt, die dich in so einer Situation nicht an der Hand nehmen und dir helfen, sondern spotten und zu lachen beginnen. Am Ende sind wir selbst dafür verantwortlich, was wir tun und nicht tun.

Wie groß ist mein warum?

Zu realisieren, dass man seinem Körper schon jahrelang den Rücken kehrt, ist schon ein ganz schöner Schlag in die Magengrube. Man entwickelte Routinen und Ausreden, um sich nicht mit dem eigentlichen Problem auseinander zu setzen – denn unter uns: wir alle wissen, dass Bewegung, ausgewogene Ernährung und eine starke innere Stimme die Grundsteine für ein schönes Leben sind. Aber dieses Problem wird immer größer und bekommt jeden Tag mehr Gewicht – im wahrsten Sinne des Wortes. Immer und immer wieder startet man Versuche, denkt sich „Morgen pack ichs an!“. Nur, um doch wieder zu scheitern und einen Verlust zu verzeichnen. Die Konsequenzen? Dass man an Diabetes erkranken wird, Knochenschwäche bekommt, Heilungsprozesse ewig dauern, die Verdauung im Arsch ist, der Hormonhaushalt zusammen bricht, vielleicht sogar die Monatsblutung ausbleibt, man sich einfach nicht mehr Bewegen kann, vereinsamt, isoliert lebt, seine Träume nicht verwirklicht und aufhört zu leben.

Grandioser Preis den man für’s auf Morgen verschieben zahlt, oder?

Wovor hab ich Angst?

Jetzt, wo ich so langsam meiner inneren Stimme mehr Gewicht gebe und lerne, negative Äußerungen negativ sein zu lassen, sagt mir mein Körper das er mich braucht. Mehr braucht, als ich ihm die letzten Jahre gegeben habe. Und ich versuche ihm zuzuhören, eigene Gewohnheiten zu verändern und besser für ihn zu werden – so gut ich das bis dato schaffe.

Es gibt Menschen, die sich an unseren Schwächen ergötzen. Die dir wenig bis nichts mehr zutrauen, weil sie dich schon so oft scheitern gesehen haben. Die selbst viel zu schwach sind, um anderen zu helfen. Ich bin alleine dafür verantwortlich ob es mir und meinem Körper gut geht. Und ich muss alleine entscheiden, was ich wann dafür tue. Niemand anderer kann dafür die Hand des Schuldigen hinhalten.

Der kindliche Instinkt sagt dir nicht, dass du dich bewegen sollst. Als Kind bewegst du dich einfach so lange, bis du müde ins Bett fällst. Und jetzt: Die Arbeit muss noch erledigt, Wäsche soll gewaschen und die eine Serie noch fertig angeschaut werden. Ausreden und schlechte Zeiteinteilung.

Geht es wirklich nur um Schuld?

Ein neuer Versuch heißt nicht, für sein Versagen wieder einen Schuldigen zu finden. Es geht darum, sich selbst zu übertrumpfen. Sich selbst einzugestehen, dass man es die letzten Male nicht gut genug gemacht hat. Sich selbst zu motivieren, dass man es jetzt schaffen will. Ich schaffe das jetzt, weil MEIN WARUM endlich groß genug ist.

Ich will gesund und stark mein Leben meistern. Nicht als tablettenschluckender Diabetiker enden, der ständig mit einem neuen Wehwehchen zum Arzt rennt und mit einem Ticket für die Apotheke die Praxis verlässt. Ich will agil sein, mich bewegen wollen und können. Meinen Körper für das benutzen, wozu er geschaffen ist: Bewegung, Movement, Pause machen und immer einen Schritt weiter gehen, als gestern.

Das Fundament kommt vor der Fassade

Weil ich aus den unzähligen letzten Versuchen gelernt habe, will ich meiner irdischen Hülle langsam beibringen, sich wieder richtig zu bewegen. Hatha Yoga ist mein erster Schritt zu einem gesünderen Körper. Ich bewege mich langsam, merke wie gut es mir tut und spüre, dass ich bei jeder Bewegung weiter komme. Muskeln dehnen sich, ziehen sich wieder zusammen. Mein inneres Ich lernt, zur Ruhe zu kommen und sich mit meinem Äußeren zu verbinden. Miteinander eine Harmonie zu entwickeln, die sich gegenseitig unterstützt und mich zu persönlichen Höchstleistungen bringt.

Hatha Yoga lernt mir gerade, meine ganzen bisherigen Do’s and Dont’s im Sport zu überdenken. Denn auch hier ist mein theoretisches Wissen größer, als mein körperlicher Erfolg. Schwitzen sollst du, mindestens 30 Minuten 3x die Woche, kein Hungermodus, bla, bla. Vergiss es. So vieles davon ist absoluter Schwachsinn. Erstmal muss ich einfach nur machen. Move.

Bückst du dich wirbelsäulenkonform, um etwas vom Boden aufzuheben? Sitzt du an deinem Schreibtisch, um deinem Körper am wenigsten dabei zu schaden? Wie jätest du Unkraut? Wie schläfst du? Das sind die Fragen die mich jetzt beschäftigen. Und die so wichtig sind, weil sie ein Fundament bilden: den Grundstein für Bewegung und Movement.

Titelbild: Lena Bell — unsplash.com

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